• 29 Dez 2019
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    HessenbrückerHammer

Ein Schatz im Wasser

Der Seenbach ist die Heimat einer der größten Schätze, die die hessischen Gewässer aufzuweisen haben. Nur noch hier sowie in einer kurzen Strecke der Eder in Nordhessen lebt die Bachmuschel (Unio crassus), eine von ursprünglich 7 einheimischen Großmuschelarten

Früher kam sie in großer Zahl in fast jedem Bach und in allen Flüssen vor, heute ist sie vom Aussterben bedroht. Viele ihrer Lebensräume wurden in der Vergangenheit durch die Verschmutzung des Wassers und den Ausbau, die Begradigung und Verlegung besonders von kleinen Fließgewässern vernichtet. Im Gegensatz zu anderen Arten konnte die Bachmuschel bisher aber noch nicht von der inzwischen eingetretenen Verbesserung der Wasserqualität in vielen Gewässern profitieren. Deshalb ist es besonders wichtig, die verbliebenen Bestände zu schützen.

 

 

 

 

Im Seenbach pflanzt sich die Bachmuschel noch erfolgreich fort.

Damit das so sein kann, muss vieles stimmen. Zunächst einmal braucht die Bachmuschel, ebenso wie alle anderen Großmuscheln, Fische in ihrer Nähe. Denn die winzigen Larven (0,2 mm) verbringen im Frühjahr und Sommer einige Wochen als kleine Parasiten auf den Kiemen bestimmter Fischarten (z.B. Elritze, Döbel, Groppe). Geschützt am Fischkörper verwandeln sie sich, ohne zu wachsen, in kleine Muscheln. Gleichzeitig sorgen ihre Wirte, die im Übrigen durch die Infektion mit Muschellarven keinen Schaden nehmen, für die Verbreitung der Muscheln im Gewässer.

Die Jungmuscheln vergraben sich, nachdem sie den Fisch verlassen haben, im Bachgrund. Dieser muss stabil sein, darf aber weder zu hart noch zu weich (Schlamm) sein und muss im Porenwasser genügend Sauerstoff aufweisen. Diese Bedingungen sind nicht überall erfüllt und besonders der Eintrag von feinem Sediment (Lehmpartikel), z.B. durch Bodenabschwemmung nach starkem Regen aus Ackerflächen, zerstört diese Lebensräume. Im Alter von 3 bis 4 Jahren sind die Tiere dann geschlechtsreif. Bei der Bachmuschel gibt es Männchen und Weibchen, doch lassen sie sich äußerlich nicht unterscheiden.

Ihre Nahrung filtern die Bachmuscheln aus dem Wasser, womit sie als „biologische Kläranlagen“ zur Selbstreinigung des Gewässers beitragen

Muschel im Bodengrund, Atemöffnungen

 

Außer der Bachmuschel kommen im Seenbach auch noch die Entenmuschel (Anodonta anatina) und die Schwanenmuschel (Anodonta cygnea) vor, letztere nur in geringer Zahl als „Teichflüchtling“ aus angrenzenden Fischteichen.

 

Im Seenbach leben heute noch viele Hundert bis wenige Tausend Bachmuscheln, doch hat ihre Zahl seit den 1990er Jahren erheblich abgenommen. Eine große Gefahr stellt der sommerliche Wassermangel des Seenbachs dar, der auch den oberen Teil der muschelführenden Bachstrecke betrifft. Umso wichtiger ist es, dass die weiter talwärts liegenden Gewässerabschnitte in einem für die Muscheln guten Zustand bleiben. Doch auch hier drohen Gefahren. An erster Stelle ist es die Bisamratte, eventuell aber auch der Waschbär, die als einziger nennenswerter Fressfeind Muscheln in großer Zahl erbeuten kan.

 

Hier gilt es aufmerksam zu sein, dass nicht die ersten Erfolge einer Bestandserholung wieder zunichte gemacht werden. Schließlich gibt es unterhalb der Kläranlage Freienseen eine „Lücke“, in der keine Bachmuscheln gefunden wurden. Hier sollte nach den Ursachen geforscht und diese abgestellt werden.

Weitere Informationen bieten zwei Broschüren des Regierungspräsidiums Gießen, die die Großmuschelarten Hessens vorstellen(1) und über eine eingeschleppte Art informieren, deren Verbreitung unbedingt verhindert werden sollte (2). Über die Situation der Bachmuschel in Hessen informiert Hessen-Forst FENA im Internet (3).

 

Weitere Informationen:

(1) (http://www.rp-giessen.hessen.de: Umwelt & Verbraucher > Naturschutz > Fischerei > Fischartenschutz > Downloads: http://www.rp-giessen.hessen.de/irj/RPGIE_Internet?cid=9dc41ef3b780e8a1594e53e70a196c68)

(2) (http://www.rp-giessen.hessen.de/irj/RPGIE_Internet?cid=77f9abaf5025cffa88b4f2993fa68c93)

(3) (http://www.hessen-forst.de/naturschutz-artenschutz-steckbriefe,-gutachten-und-hilfskonzepte-zu-ffh-arten-2294.html; Menupunkt: Mollusken)

Text: Dr. Karl-Otto Nagel

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