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Der Stieglitz

(Quelle: NABU - Vogel des Jahres 2016 / www.nabu.de & www.vogel-des-jahres.de)

 

NABU - Frank Derer

Bunter Vogel für bunte Landschaften

Der auch Distelfink genannte Stieglitz (Carduelis carduelis) gehört zu den buntesten und gleichzeitig beliebtesten Singvögeln in Europa. Er ist dank seiner auffälligen äußeren Erscheinung in jedem Vogelbuch vertreten und daher den meisten Menschen ein Begriff. Kaum eine andere Art steht so für die Vielfalt und Farbenpracht unserer Landschaften, ernährt sich der Stieglitz doch vornehmlich von den Sämereien verschiedenster Blütenpflanzen, Gräser und Bäume. Vor allem im Spätsommer und Herbst ist er häufig auf Disteln, Kletten und Karden anzutreffen, aus denen er geschickt die Samen herauspickt. Dieser Vorliebe verdankt er auch seinen Zweitnamen Distelfink. Die hübschen Leichtgewichte verhalten sich überaus gesellig: Sie fliegen im Schwarm auf Nahrungssuche und leben in „Wohngemeinschaften“ mit anderen Paaren.

Namensgleiche Stimme

Die Laute des Stieglitzes sind unverwechselbar: Am häufigsten ertönt ein helles, mehrsilbiges „stiglit“, „didelit“ oder „didlilit“, welches den stimmfreudigen Vögeln auch ihren deutschen Namen einbrachte. Sein Gesang ist ein lautes, hastig vorgetragenes Zwitschern und wird oft mit einer rhythmischen Wiederholung der arttypischen „stiglit“-Rufe eingeleitet, denen mehrere Triller und Schnörkel folgen. Gesangspassagen und Rufe gehen oft ineinander über, unterscheiden sich jedoch in ihrer Rolle:

Kontakt- oder Warnrufe der bunten Vögel sind das ganze Jahr über zu hören. Besonders im Herbst und Winter kommunizieren Schwärme auf diese Weise miteinander.

Der Gesang dient hingegen der Partnerwerbung sowie der Reviermarkierung und festigt die Bindung eines Paares.

Die bunten Finke singen meist von Baumwipfeln aus und fliegende Stieglitze fallen fast immer durch ihre typischen Rufe auf. Im Gegensatz zu den meisten anderen Singvögeln singen auch weibliche Tiere, jedoch weniger laut und anhaltend als die Männchen. Junge Stieglitze prägen sich bereits sehr früh den arttypischen Gesang der Altvögel ein.

Farbenfrohes Leichtgewicht

NABU - Laurie Campbell

Wie alle Vertreter der Gattung Carduelis haben auch Stieglitze eine schlanke Gestalt mit einem vergleichsweise kurzen Hals und dünnen Beinen. Sie erreichen eine Körperlänge von 12 bis 13 Zentimetern und sind damit etwas kleiner als Spatzen. Mit einem Gewicht zwischen 14 und 19 Gramm wiegen sie ungefähr so viel wie zwei Ein-Euro-Stücke. Stieglitze tragen ein auffällig farbenfrohes Gefieder und gehören damit zu den buntesten Singvögeln.

Unverwechselbar leuchtet ihre rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, Bauch und Bürzel weiß gefärbt. Die überwiegend schwarzen Flügel weisen eine deutlich abgesetzte breite, leuchtend gelbe Binde auf. Der schwarz gefärbte Schwanz zeigt an den äußeren zwei bis drei Steuerfedern weiße Abschnitte. Der Schnabel des Stieglitzes ist, wie bei Körnerfressern üblich, kegelförmig, läuft spitz zu und erscheint elfenbeinfarben bis graurosa.

Zum verwechseln ähnlich

Männchen und Weibchen ähneln sich äußerlich zwar stark, lassen sich aber gut an der Ausprägung der roten Gesichtsmaske unterscheiden: Beim Männchen fasst sie den hinteren Rand des Auges beidseitig ein oder ragt darüber hinaus. Die etwas kleinere Maske des Weibchens reicht nicht bis zum Augenrand.

Jungvögel erscheinen im Vergleich zu ausgewachsenen Stieglitzen eher braun und weniger kontrastreich. Ihnen fehlt zudem noch die auffällige rote Gesichtsmaske.

Vollzeitvegetarier

Stieglitze fressen mit Vorliebe halbreife oder reife Samen zahlreicher Stauden, Gräser und Bäume. Die Speisekarte der bunten Finken wechselt dabei im Jahresverlauf. Werden im Winter vor allem Baumsamen verzehrt, ernähren sich Stieglitze während der Brutzeit vornehmlich von Samen milchreifer Korbblütler. Während viele andere körnerfressende Vögel für die Jungenaufzucht auf Insekten umsteigen, füttern Stieglitze ihren Nachwuchs vor allem mit Pflanzensamen. Nur äußerst selten fressen sie tierische Nahrung wie Blattläuse, die sie geschickt von den Pflanzen absammeln. Später im Jahr ernähren sich Stieglitze am liebsten von verschiedenen Distelarten.

Nahrungssuche in Gruppen

Auf der Suche nach Sämereien und Insekten zeigen die kleinen Vögel akrobatischen Einsatz: Sie beugen sich weit vor und können sogar kopfüber hängend picken. Mit ihrem langen, spitzen Schnabel finden sie auch noch so verborgene Samenstände. Im Unterschied zu den meisten anderen heimischen Singvögeln leben Stieglitze ganzjährig in Gruppen – auch zur Brutzeit – und gehen gemeinsam auf Nahrungssuche.

NABU - Andreas Hartl

Vom Wald in die Kulturlandschaft

Ursprünglich in lichten Wäldern und Waldrändern zu Hause, lebt unser Jahresvogel heute sowohl in ländlichen als auch städtischen Gebieten. Dabei liebt er es bunt und vielfältig: Bäuerliche Siedlungen mit Obstbaumkulturen auf blumen- und artenreichen Wiesen bieten ihm das ganze Jahr hindurch einen reichlich gedeckten Tisch. Auch in halboffenen Landschaften mit Alleen, Straßenbäumen, Feldgehölzen, Hecken oder Hopfenkulturen fühlt er sich wohl. Der Stieglitz kann in Höhenlagen von bis zu 1.500 Metern leben – sofern er Nistmöglichkeiten und ein vielseitiges Nahrungsangebot findet.

Nahrungsquellen Versiegen

Es wird eng für unseren Jahresvogel. Denn immer weniger Landstriche in Deutschland bleiben ungenutzt: Brachflächen fallen der Agrarpolitik zum Opfer oder werden in Städten zubetoniert. Die Bewirtschaftung von Ackerrändern und Asphaltierung von Feldwegen verdrängen Wildstauden und andere Nahrungspflanzen der Stieglitze. Deshalb siedeln sie und andere Vogelarten inzwischen überwiegend in städtischen Gärten, Parks oder auch Industriebrachen. Doch hier sind ihre Lebensgrundlagen ebenfalls bedroht: „Wildwuchs“ an Wegrändern, in öffentlichen Grünanlagen, privaten Gärten oder an Sportplätzen wird oftmals akribisch entfernt. Häufig kommen dabei flächendeckend Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz – nach dem „Vorbild“ der industriellen Landwirtschaft. Am dramatischsten für den Stieglitz ist jedoch der Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen, dem eigentlichen „Speisetisch“ unseres Jahresvogels. Verlangte die gemeinsame Agrarpolitik noch bis 2007 Brachflächen in jedem Betrieb, ist nun die Nutzung aller Flächen für den Fruchtanbau erlaubt. NABU und LBV warnen vor den Folgen dieser Politik, die zahlreiche Vogelarten gefährdet.